Das Spiel der Masken
Wieso das Posieren vor der Kamera Authentizität zerstört

Ein Kurs im Studium über Portraitfotografie: die Gruppe sollte sich gegenseitig ablichten und der Professor erzählte uns immer, wie wichtig es sei, das Motiv gut zu inszenieren. Das Motiv regelrecht zu präparieren.

Für mich war das absolut befremdlich und ich stellte mir folgende Frage:

Warum also ein inszeniertes Portrait?

Antworten darauf gibt es vielfältige – beispielsweise fand ich schon immer eine Portraitserie von Nancy Göring spannend. Sie dokumentierte die Sexualität von behinderten Menschen, die sich Abhilfe durch Prostituierte schufen. Die Arbeit war für mich ein Paradebeispiel zwischen Authentizität zum einen und Inszenierung zum anderen. An dieser Stelle steht die Inszenierung als Ausdruck einer Gesellschaftskritik, aber auch etwas, was uns alle anrührt. Was fast schon zu privat und intim ist, so, dass man es kaum anschauen kann, ohne dass es irgendwas in uns triggert.

Ihre Arbeit findet Ihr hier: http://www.nancygoering.com/geh-aus-mein-herz

Ich war heute wandern und hatte das 24er f1.4 Sigma mit mir (traumhafte Linse). Natürlich schleppte ich meine private Kamera mit mir umher und schoss wie immer Bilder meiner bezaubernden Assistentin Reni. Die abgelichteten Motive sehe ich, wenn ich gut im Knippsen stehe, schon bevor sie entstehen. Es ist ein Moment innehalten, es ist irgendetwas, eine Art tiefster Stille eines Moments und dann folgt der Druck auf dem Knopf.

Und das Bild ist vollbracht:

 

 

Ja, es ist nicht scharf – wer aber in der Fotografie bewandert ist weiß, dass ein Bild nicht scharf sein muss. Im Gegenteil, oft liegt der Reiz gerade darin.
Aber dazu später mehr.

Ich persönlich werde den Moment, das süße Geräusch der Auslösung nie gegen Inszenierung eintauschen.

Ausnahme: Ich will damit etwas ausdrücken, eben wie Nancy Göring, oder es ist ein ausdrücklicher Wunsch!

Euer Matthias